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17.05.2010 - "Der Friedenstein" 2010 an den "Prager Diplomaten der Wende"

Hermann Huber öffnete die Prager Botschaft und wurde 1989 zum Wegbereiter der Deutschen Einheit

Die Gothaer Kulturstiftung hat heute den "Friedenstein" an Botschafter a. D. Hermann Huber verliehen. Im Beisein zahlreicher Stifter würdigte der in Gotha geborene ZDF-Korrespondent Roland Strumpf als Laudator die Verdienste Hermann Hubers bei der Beherbergung von DDR-Flüchtlingen in der Prager Botschaft, der er als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im Herbst 1989 vorstand. Der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch überreichte als 2. Vorstandsvorsitzende den Preis im Festsaal von Schloss Friedenstein.

Hermann Huber war in der Zeit vom 21.12.1988 bis zum 30.08.1992 deutscher Botschafter in Prag, als Tausende Deutsche aus der DDR in die Botschaft strömten, die Zäune überwanden und dort unter schwierigsten Bedingungen bis zum legendären Auftritt Hans-Dietrich Genschers lebten. Als "Manager des Lebens auf der Flucht" hat sich Hermann Huber in den Tagen vom Herbst 1989 erwiesen, da er mit seiner Botschaft ein Zeichen für Freiheit und Sicherheit gesetzt hat und es durch seine Leistung nicht zu feindlichen Auseinandersetzungen kam. Er organisierte das Zusammenleben auf engstem Raum, versorgte unter schwierigsten Bedingungen tausende Menschen. Hermann Huber, der schon den "Prager Frühling" 1968 in der "Goldenen Stadt" erlebte, hat eindringlich an den Westen appelliert, Hilfe zu leisten und dafür Sorge zu tragen, dass nie wieder deutsche und sowjetische Truppen in der Tschechoslowakei einmarschieren. Die Prager Botschaft wurde durch die großartige Leistung von Hermann Huber ein wichtiger Baustein, der zum Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems führte und damit den Weg zur Einheit Deutschlands ebnete.

"Eine historische Aufarbeitung der Ereignisse, die zur deutschen Wiedervereinigung geführt haben, wird die dramatischen Vorgänge im Spätsommer und Herbst des Jahres 1989 in Prag nicht außer Acht lassen können, als Tausende von Flüchtlingen aus der DDR Zuflucht in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland suchten. Der im August 1989 plötzlich einsetzende Ansturm auf die Botschaft war nicht nur von der Dimension her ein Novum, sondern stellte auch qualitativ eine völlig neue Situation dar, mit der es galt sich auseinander zu setzen. Sie kumulierte schließlich am 3. November 1989 in einer Ausreiseregelung (seitens der ČSSR), die den eisernen Vorhang und die Berliner Mauer obsolet werden ließ." kommentierte Hermann Huber rückblickend die Ereignisse in jenen Wochen.

Die Lebensleistung von Hermann Huber, der Zeit seines Lebens im Stillen wirkte, erfährt durch den "Friedenstein" erstmals eine große öffentliche Anerkennung. Der mit 5.000 € dotierte Preis wurde bisher 1998 an den chinesischen Dissidenten Wei Jing Sheng, 2001 an den Musiker Prof. Dr. Kurt Masur und 2008 an die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Walentina Tereschkowa verliehen.


Vita
Huber, Hermann Maria Franz
geb. 29.Januar 1930 in München
• Kindheit in Grafing bei München
• 1949/1950 Rechtswissenschaften Universität Erlangen
• 1950/1951 Rechtswissenschaften und Politische Wissenschaft Universität Lausanne
• 1951 Diplome d'etudes diplomatiques et consulaires der Univ.Lausanne
• 1953 Erstes juristisches Staatsexamen Universität München
• 1953 -1955 Rechtsreferendar
• 1955 nach Auswahlwettbewerb Eintritt in den 9. Attachelehrgang des Auswärtigen Amts in Bonn (Im Rahmen der Ausbildung Verwendung am Generalkonsulat Zürich und an der Deutschen Botschaft Reykjavik)
• 1958 Abschlussexamen für den Höheren Auswärtigen Dienst und Ernennung zum Legationssekretär.
• 16. Mai 1958 Eheschließung mit der französischen Staatsangehörigen Jacqueline Andree Paulette Marie Rousselot, die vor dem Standesbeamten die deutsche Staatsangehörigkeit annimmt.
• Juni 1958 Versetzung an die Deutsche Botschaft beim Quirinal in Rom April 1960 Versetzung an das Deutsche Generalkonsulat in Leopoldville (Belg.Kongo) das nach der Unabhängigkeit der Kolonie in eine Botschaft umgewandelt wird.
• Während der sog Kongowirren mehrmals für längere Zeiträume Leiter der Botschaft als Geschäftsträger a.i.
• 1965 bis 1967 Auswärtiges Amt, zunächst Handelspolitische Abteilung dann Personalabteilung.
• Januar 1968 Handelsvertretung der Bundesrepublik Deutschland Prag Oktober 1970 bis Juli 1973 stellvertretender Leiter des Pressereferats und stellvertretender Pressesprecher im Auswärtigen Amt Bonn.
• 1973 bis 1976 Erster Botschaftsrat und ständiger Vertreter des Botschafters in Mexiko.
• 1976 bis 1980 Leiter des Personalreferats für den Höheren Dienst im Auswärtigen Amt in Bonn.
• Januar 1980 bis November 1984 Gesandter und ständiger Vertreter des Botschafters an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Moskau.
• Ende 1984 bis November 1988 als Min. Dirigent Leiter der Unterabteilung für das Personalwesen im Auswärtigen Amt.
• November 1988 bis August 1992 Deutscher Botschafter in Prag
• September 1992 bis 1995 Deutscher Botschafter in Madrid mit Akkreditierung auch für Andorra.
• 31. Januar 1995 gesetzlicher Ruhestand.
• drei Töchter