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19.04.2018 - Begrüßung zur Verleihung des Preises "Der Friedenstein" an den früheren österreichischen Bundespräsidenten, Dr. Heinz Fischer

Mittwoch, den 19. April 2018, 17 Uhr, in der Schlosskirche zu Schloss Friedenstein

- Es gilt das gesprochene Wort -

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Freunde der Kulturstiftung Gotha,

es ist mir eine große Freude Sie zum achten Male zur Verleihung der höchsten internationalen Auszeichnung Gothas, des Preises "Der Friedenstein", in der Residenzstadt zu begrüßen. Die Schlosskirche zu Gotha, als die architektonisch früheste barocke Version einer protestantischen Hofkirche in der Welt, bietet uns in vielfacher Hinsicht den festlichen Rahmen dieser Preisverleihung.

Unser besonderes Willkommen gilt dem diesjährigen Preisträger, dem früheren Bundespräsidenten der Republik Österreich, Herrn Dr. Heinz Fischer.

Es ist eine Auszeichnung für die Stadt Gotha, dass wir zu Ehren von Herrn Dr. Fischer den früheren deutschen Bundespräsidenten Dr. Joachim Gauck in unserer Mitte begrüßen dürfen. Herzlich willkommen, verehrter Herr Gauck.

Von der Thüringer Landesregierung begrüßen wir sehr herzlich die Thüringer Finanzministerin und Stellvertretende Ministerpräsidentin, Frau Heike Taubert.

Wir freuen uns, dass das diplomatische Korps durch Herrn Gesandten Somogyi vertreten wird, die Geburtsstadt Graz unseres Preisträgers durch Herrn Prof. Dr. Johann Trummer.

Die Stadt Gotha wird vertreten durch Herrn Bürgermeister Schmitz-Gielsdorf und die Beigeordneten Frau Reichstein sowie Oberbürgermeister a.D. Kukulenz.

Die neben mir heute anwesenden Mitglieder in den Gremien der Kulturstiftung Gotha,

-          unsere Ehrenbürger Eckard Hoffmann und Seine Hoheit Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha,

-          Oberbürgermeister a.D. Volker Doenitz,

-          Staatssekretär a.D. Dr. Jürgen Aretz,

-          Finanzgerichtspräsident Hubert Mohr,

-          Museumsdirektor Dr. Roland Krischke und

-          der Historiker Dr. Wolfgang Steguweit

 

wir freuen uns, dass Sie alle da sind.

 

Und wir sind stolz, dass wir heute die Reihe der Preisträger mit einer außergewöhnlichen europäischen Persönlichkeit fortsetzen können.

 

Preisträger sind bisher

-          der Chinese Wei Jingsheng,

-          der Weltbürger und Dirigent Prof. Dr. Kurt Masur,

-          die Russin und erste Frau im Weltall Dr. Walentina Tereschkowa,

-          der deutsche Botschafter von Prag 1989 Dr. Hermann Huber,

-          das äthiopische Ehepaar Karlheinz und Almaz Böhm,

-          Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden sowie

-          Komponist, Texter und Interpreten des Liedes der deutschen Einheit „Über sieben Brücken musst du gehen“

 

Heute wird es der Österreicher Dr. Heinz Fischer sein, der mit dem FRIEDENSTEIN ausgezeichnet wird.

 

Die Friedenstein-Geehrten sind Menschen, die täglich durch Ihr Wirken in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einen „Frieden-Stein“ setzen und damit eine Botschaft senden, die in dieser zerstörten Welt, so wichtig ist.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

es war vor 375 Jahren, am 25. Oktober 1643, als Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha, genau an dieser Stelle den Grundstein legte für seinen Schlossbau, es war die Zeit des 30-jährigen Krieges, der schon ein Vierteljahrhundert dauerte, es war eine Zeit ohne Hoffnung, eine Zeit jahrelanger fruchtloser Friedensverhandlungen, es war ein Land ohne Zukunft.

 

Genau in dieser Zeit setzte ein Gothaer Zeichen, in dem er mit dem Bau eines Schlosses begann, das als Manifest des Friedens in Deutschland aufgerichtet worden ist, schon bevor der Grundstein gelegt, stand der Name fest: Friedenstein, eine programmatische Aussage, eine Vorwegnahme des Friedens von Münster und Osnabrück.

 

Wir Gothaer leben in der Stadt des Friedenstein und unsere Botschaft ist dem Portal des Schlosses Friedenstein entlehnt: „Friede ernähret – Unfriede verzehret“. Was für große, Jahrhunderte überdauernde Worte, mit dem Blick am heutigen Tag nach Syrien, nach Mali, nach Afghanistan.

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Fischer,

 

vieles verbindet uns mit ihrer Geburtsstadt Graz. Ein Grazer Bürger wurde wenige Tage nach ihrer Geburt zum Dienst in der deutschen Wehrmacht verpflichtet und erhielt fünf Jahre später den Befehl von Marktredwitz nach Gotha zu gehen. Damals wusste er nicht, dass unsere Stadt sein Schicksal wird.

 

Als deutsche Verantwortungsträger von Stadt, Landkreis und Land feige flüchteten, die Stadt der völligen Zerstörung opferten, war es der Grazer Bürger Josef Gadolla, der diese Einstellung nicht mittragen konnte und bereit war, Gotha kampflos an die amerikanischen Streitkräfte zu übergeben.

 

Ein mutiger Österreicher rettete 60.000 Menschenleben, bewahrte eine Stadt und ihren Friedenstein sowie die historische Baukultur vor den Bomben der Alliierten und der völligen Vernichtung.

 

Er bezahlte seine humanistische Tat am Ende mit seinem Leben und einem jahrzehntelangem Schweigen der Nachwelt.

 

„Damit Gotha leben kann, muss ich sterben“ waren seine letzten Worte. Seit 1995 hat die Stadt Gotha mit dem damaligen OB Volker Doenitz beginnend, alles unternommen, um Josef Gadolla, den „Retter Gothas“, zu rehabilitieren und angemessen zu ehren.

Zu danken auf dem Weg bis zur posthumen Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 16. Mai 2018 ist Menschen wie Dr. Helga Raschke, Egon Ehrlich und Manfred Ostwald, aber auch ganz besonders Prof. Johann Trummer und Dr. Enrico Brissa.

 

Sie, sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

 

haben am 22. September 2015 als erster österreichischer Bundespräsident ihrem Landsmann Gadolla in Gotha die Ehre erwiesen und ich weiß, sie haben sich maßgeblich auch für seine Rehabilitierung und die seiner Weggefährten in Österreich verwendet. Die Einweihung des Denkmals für die Verfolgten der NS-Militärjustiz 2014 am Ballhausplatz in Wien ist nur ein Beispiel ihres Einsatzes. Dafür gilt Ihnen weltweit große Anerkennung und der Dank der Gothaerinnen und Gothaer.

 

Damals, im September 2015, waren wir auch bei einer großen Frau zu Gast, deren Name mit Österreich und dem Weltfrieden untrennbar verbunden ist – Bertha von Suttner.

 

Die erste Friedensnobelpreisträgerin hat bewusst ihre letzte Ruhestätte in Gotha gefunden, ihr Platz steht neben dem Friedenstein gleichberechtigt für die Sehnsucht der Menschheit nach Frieden und dem friedlichem Ausgleich zwischen den Völkern.

 

Und schon sind wir am Anfang des vorigen Jahrhunderts, das mit dem von Österreich-Ungarn begonnenen I. Weltkrieg die Völker in ein Inferno der Nationen stürzte und in einer „Urkatatstrophe“ endete.

 

Das Sie, verehrter Herr Dr. Fischer, im Ehrenamt die Veranstaltungen Österreichs im „Gedenkjahr 1918“ koordinieren, ist eine wichtige Brücke ins 21. Jahrhundert, wo wir uns in einem Europa begegnen, was sich nicht im Krieg, sondern im Wohlstand trennt.

 

Hundert Jahre später ist der Traum der Bertha von Suttner, den sie in ihren letzten Worten eindringlich formulierte, immer noch nicht erfüllt.

 

Menschen wie unser Friedenstein-Preisträger Dr. Heinz Fischer kämpfen für die Erfüllung dieser Sehnsucht, die die erste Friedensnobelpreisträgerin am 21. Juni 1914 der Nachwelt ins Stammbuch schrieb:

 

„Die Waffen nieder, sagts vielen, vielen“

 

Der heute verliehene Preis „Der Friedenstein“ ist die vielfach unüberhörbare Aufforderung, den Worten dieser großartigen Frau niemals zu widersprechen.

 

Herzlich willkommen!