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22.06.2017 - Neue Förderprojekte für das Jahr 2018 beschlossen

Im nächsten Jahr ist das Leitprojekt ein historischer Gothaer Triebwagen, aber auch Skulpturen für die Stadtbibliothek und die Restaurierung der Grabstätte eines früheren großen Wohltäters der Stadt Gotha – Julius Cosmar – sowie die Unterstützung des Druckes eines sehr interessanten Tagebuches stehen auf der Agenda.

Hilfe, da steht ein Zug aus Gotha und fährt nicht mehr, Leute, da müssen Spenden her!
Die Interessengemeinschaft Hirzbergbahn e.V. entdeckte am Steinhuder Meer im September 2016 eine alte Bahn, deren Glanzzeiten längst vergangen und deren Zukunft ungewiss war. Es handelte sich um einen Dieselmechanischen Triebwagen der Gothaer Waggonfabrik AG, der im Jahr 1934 von Schlossern und Ingenieuren in der Stadt des Fahrzeugbaus, der Residenzstadt Gotha, entwickelt wurde. Nur noch ganz wenige dieser in Gotha gebauten Fahrzeuge sind bekannt, wesentlich berühmter sind die Gotha-Wagen der Straßenbahnen, welche, egal ob in Rostock oder Naumburg und selbst auf der Insel Krim, noch fahrbereit anzutreffen sind.

Die Bahn Gotha T1 absolvierte am 13. Mai 1938 ihre erste Fahrt zwischen Bremervörde und Oerel und war bis 1959 an der norddeutschen Küste unterwegs. Im April 1959 übernahm für einige Jahre die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn das Gothaer Fahrzeug, bevor es 1962 bei der Ahaus-Enscheder Eisenbahn im Dienst stand und der Museum Buurt Spoorweg, einer holländischen Museumsbahn, als Anziehungsmagnet diente. Die Schiene führte 1988 nach Delmenhorst und seit 2004 auf die Steinhuder Meerbahn. Nun ist das elf Tonnen schwere, 11,7 Meter lange Fahrzeug, mit einem 65 PS Mercedes-Benz-Dieselmotor und einem 4-Gang Mylius-Getriebe nach langer Fahrt wieder in den Heimatort zurück gekehrt und wartet auf die Restaurierung. Insgesamt wird die Restaurierung der später fahrbereiten und zu Sonderfahrten einsetzbaren Bahn 100.000 € und viele freiwillige Arbeitsstunden kosten, die durch den Verein IG Hirzbergbahn e. V. und das VHS Bildungswerk Gotha GmbH dank der Unterstützung von Spenden der Kulturstif-tung Gotha aufgebracht werden.
Dieses Projekt wird von der Kulturstiftung Gotha mit 30.000,- € unterstützt.

Großes Erwachen für Skulpturen von Rüdiger Wilfroth
Zeitgenössische Künstler brauchen Spielräume, aber genauso wichtig sind Orte, wo Menschen der Kunst begegnen können. Der bekannte Thüringer Bildhauer Rüdiger Wilfroth (1942 - 2015) hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, was im In- und Ausland geschätzt wird. Leider fehlen seiner Heimatstadt Gotha bisher deutliche Spuren seines Wirkens. Dem will der Freundeskreis der Stadtbibliothek Heinrich Heine nun entgegentreten und zwei Werke des Künstlers in der modernen Bibliothek und im schönen Karolinenhof zur Aufstellung bringen. Es handelt sich dabei um die Skulpturen "Großes Erwachen" und "Neubeginn", was für eine schöne Synergie, denn die Eröffnung der Stadtbibliothek war ein Neubeginn und gleichzeitig ein großes Erwachen für die Kulturlandschaft der Stadt Gotha.
Die Kulturstiftung Gotha unterstützt dieses Projekt mit 15.000,- €

Den Spender Julius Cosmar mit Spenden ehren
Manchmal im Leben ist es schon so, nur nicht, wenn man sich mit der Kulturstiftung Gotha einlässt, denn sie schafft Zukunft. Wer mit dem Auto über das harte Pflaster der Cosmarstraße rollt, denkt nicht sofort daran, dass diese Straße an einen der größten Wohltäter Gothas, den Landwirt Julius Cosmar (1820 - 1899) und seine Frau Katharine geb. Hirt (1824 - 1908) erinnert. Der gebürtige Stettiner kam durch fleißige Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Ostpreußen zu großem Vermögen und wählte im Jahr 1893 die Stadt Gotha zum Wohnsitz. Seine Kunstsammlung stiftete der Wohltäter dem Herzoglichen Museum. Sein Vermögen von 714.459 Goldmark übertrug er der Stadt Gotha, die größte Stiftung, die die Stadt je erhalten hat. Der heutige Wert beträgt 12.731.659,38 €. Die Kulturstiftung Gotha versteht sich im Erbe von Julius Cosmar und möchte die Restaurierung seiner historisch bedeutsamen Grabstätte daher mit 6.000,- € fördern.

Reisetagebuch 1782 – 1785, Gibraltar – St. Salvador/Brasilien – Madras
Im Jahr 2015 hat die Familie Wangenheim ihr Familienarchiv dem Staatsarchiv Gotha übergeben. Die Familie gehört zu den bedeutendsten, ältesten Adelsfamilien in Thüringen, die die Landesgeschichte tiefgreifend geprägt haben. Eine Persönlichkeit dieser Familie, deren Leben von besonderen Ereignissen geprägt war, ist Christoph August von Wangenheim, dessen Tagebuch jetzt für eine Edition transkribiert wurde. Das Tagebuch stellt eine einmalige Quelle zur Geschichte der Royal Navi, der entscheidenden Kolonialzeit in Indien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und zur Rolle deutscher Truppen und Offiziere auf andere Kontinente dar. Es liest sich sehr interessant und abenteuerlich. Besonders wertvoll daran ist, dass Christoph August von Wangenheim weder Seemann noch regelmäßiger britischer Indienbesucher war und ihm dadurch Begebenheiten auffallen, die ein Brite so nicht gesehen hätte. Außerdem ist im Tagebuch auch von bedeutenden Persönlichkeiten die Rede, unter anderem schreibt Christoph August von Wangenheim über seine Erlebnisse und Gespräche mit James Burney, der James Cook auf seinen letzten zwei Reisen in die Südsee begleitet hatte.
Die Kulturstiftung Gotha unterstützt die Publikation des Bandes mit 4.000,- €, die restlichen Mittel in etwa der gleichen Höhe werden vom Verein für Schwarzburg, Hohenlohe und Gleichen sowie von der Familie von Wangenheim aufgebracht.

Mit diesen vier Projekten haben die Mitglieder der Stiftung aus den zwölf Anträgen wieder bedeutende Projekte für die Stadt Gotha ausgewählt, für die sie auf viel Unterstützung aus der Gothaer Bevölkerung und dem Umland hoffen.